10-jähriges Jubiläum von Duality (Webcomic)

Ja, was gibt es über die letzten zwei Jahre Großes zu berichten?… Die Geschichte geht weiter! Und langsam, aber sicher, schaffe ich es nun wieder, in einen Modus zu finden, in dem ich selbst mit meiner Arbeit zufrieden bin. Das ist jetzt sehr unpräzise gesagt und bedeutet im Klaren: Der bei mir, meist spontan entwickelte rote Faden reißt wieder wesentlich seltener als noch vor ein paar Jahren. Und nicht nur das, ich finde ihn jetzt auch teilweise wieder für bereits vorhandene Szenen, die mir aktuell noch nicht richtig gefallen wollten. Ein Beispiel ist dieser Dialog hier:

Markiert mit der roten Linie ist hier der Moment, in dem ich damals improvisiert hatte. Und das Schlimme war für mich; zu wissen, dass es dort eigentlich anders weitergehen sollte, ich aber nie auf den richtigen Gedanken kam. Ich habe das während meines Schaffens auch schon öfters erwähnt, aber Ungeduld/Stress ist hier Zerstörungsfaktor Nummer eins, da solche Gefühle gewisse Gedankengänge, die für ein kreatives Arbeiten erforderlich sind, von vornherein abschneiden. (Das Einzige, was man in dieser Situation dann noch spürt, ist, dass da noch etwas sein sollte, das man gerade nicht erreichen kann.)
Es ist für mich eine spannende und charakterprägende Szene, und an dieser Stelle war die Antwort, dass eben erstmal nichts passiert! Problem war wohl, dass ein gestresster Mensch es sich nicht leisten konnte, nichts passieren zu lassen. (Ergo, weshalb ich auf diesen Gedanken bis dato noch nicht kam.)
Es ist jetzt wohl an der Zeit mal reinen Tisch zu machen, um mal auszuformulieren, woher die Gedanken, die für die Arbeit destruktiv sind, eigentlich kommen:
Schon zu Beginn des gesamten Projekts (Also 2014) gab es für mich und diese Arbeit immer mehrere Zielsetzungen. Manch einem werden diese Ziele im Bezug auf die eigene Kreativarbeit durchaus bekannt vorkommen. Jetzt gerade spontan sehe ich drei Unterpunkte:
1. Berühmtheit
Oft packt man den eigenen Willen in bereits vorhandene Wörter und wundert sich dann im Nachhinein, wieso man der Bedeutung des Wortes nie näher kommt. Da gab es seit eh und je eine steile Diskrepanz zwischen dem, was ich tuen sollte, um berühmt zu werden, und dem, was ich tuen will, um berühmt zu werden. Was also bedeutet Berühmtheit überhaupt für mich als Autor und wie wichtig ist sie?
Die Antwort auf diese Frage ist: Ich will nichts dafür tuen, berühmt zu werden – Ich fände es bloß schön, wenn Duality berühmt ist. Wieso ich nichts tuen will? Der Comic ist für mich wie ein Kind, das ich ins Internet schicke: Ich kann ihm zwar meine Werte mit auf den Weg geben, aber ich kann weder kontrollieren, was es dort tut; noch kann ich bestimmen, wie es aufgenommen wird. Natürlich hätte ich gerne, dass dieses Kind bekannt und berühmt wird, aber da es sich um ein lebendiges, eigenständiges Etwas handelt, ist es mir nicht erlaubt, in dessen Entwicklung einzugreifen und sie zu meinen Gunsten zu manipulieren. Denn man kann zwar versuchen, Einfluss zu nehmen, wie etwas von Anderen wahrgenommen wird – wie es zu sein scheint; aber man kann nie verändern, was es ist.
2. Können
Seit eh und je extrem wichtig und ein definitiver Auslöser für depressive und euphorische Stimmungszustände. Deswegen so schwer zu kontrollieren, weil ich die zeichnerische und erzählerische Entwicklung des Comics intuitiv wie Autofahren behandle. Doch anders als bei normalen Autos weiß ich nicht mal, wieso der Comic überhaupt fährt. Da ich mich also mit der Technik nicht auskenne und diese auch nirgendswo googeln kann, da sie in mir ist – oder war – oder wieder sein wird – bin ich jedesmal sofort aufgeschmissen wenn etwas nicht so funktioniert, wie ich es will.
Und eine Meinung, die von außen kommt, kann das Gerät nur kaputt machen – nicht, weil Andere Unrecht haben, sondern weil der in mir verarbeitete Treibstoff der Geschichte bereits ein Gemisch der Meinungen meiner Umwelt mit meiner eigenen ist. Deswegen ist es mir nicht erlaubt, persönliche Meinungen nachträglich zu integrieren – denn sie sind sowieso schon in „hochverarbeiteter Form“ vorhanden. Auch gingen dadurch die überlebenswichtigen Freiheitsideale der Arbeit verloren – Sinn und Zweck dieses Projektes ist es nämlich auch, eine virtuelle Zone zu schaffen, in der der Willen anderer Menschen absolut keine Gültigkeit besitzt und in seiner Reinform mit klinischer Präzision eliminiert wurde. Das ist durchaus etwas, was ich als mein eigenes Verlangen nach Zerstörung deuten würde – und mag auch der Grund sein, weshalb die Rezensionen so sind, wie sie sind.
Aber eine Sache möchte ich doch an dieser Stelle mal ganz deutlich machen: Ich bin ein Mensch, der seit seiner Jugend im öffentlichen Leben keinen Platz gefunden hat. Ich habe durch die bloße Existenz von Mehrheiten, die mir ein Leben vorleben, dass durch Geld, Liebe, Sex, Drogen, etc. bestimmt wird – Alles Dinge, die Kreativität zerstören… Ich habe durch diese Umstände tagtäglich gelitten und tue es noch heute. Und ich wollte schon immer, dass diese Machtverhältnisse eines Tages auf den Kopf gestellt werden. Dass Menschen, die in der Realität Zerstörung anrichten, bloß weil sie die Rückendeckung einer befürwortenden Mehrheit genießen, irgendwann dieselbe zerstörerische Energie selbst wieder abbekommen.
Was ich damit sagen möchte, ist nicht, dass Duality dazu da ist, anderen Menschen weh zu tun – Aber der Teil von mir, der anderen Menschen schaden möchte, ist an keiner Stelle meines Lebens so präsent wie in der Geschichte. Und er ist eben auch nur deswegen dort präsent, weil er real nirgendswo sein kann.
Rückführend auch wieder zu dem Berühmtheitsbegriff: Wäre es nun überhaupt eine Bestätigung meiner Werte, wenn die Geschichte von einer großen Mehrheit akzeptiert und verbreitet wird?
3. Partnersuche
Das dritte und letzte Ziel ist eins, das ich kaum weitergegeben habe. Die Anekdote dazu hab ich hingegen im Freundeskreis schon des Öfteren erzählt: Als ich 19 Jahre alt war, vor kurzem mein Architekturstudium angefangen hatte, da hatte ich eines Tages ein Date: Und zu diesem Zeitpunkt war ich persönlich gesehen sehr glücklich, hatte meinen Freundeskreis erweitert und verglichen zu vorher sehr viel Spaß in meinem Sozial- und Privatleben. (Nur meine Noten waren grottenschlecht, aber das war nebensächlich)
So, nun saß ich aber dort, mit einem fast unbekannten Mädchen, das mir von ihrem Leben erzählte: Ich war zwar tierisch verknallt, aber in mir rief eine Stimme: „So, jetzt wäre es gut, wenn du auch etwas von dir erzählen würdest!“
Da ist mir bewusst geworden, dass es eigentlich gar nichts gab, auf das ich damals stolz war. Weil ich ganz genau wusste, dass mein eigenes Handeln in der Öffentlichkeit seit langem nicht aus den Sachen bestand, die ich tun wollte, sondern lediglich aus angelernten Mechanismen, von denen ich wusste, dass sie von anderen Menschen akzeptiert wurden. Es waren also alles lediglich antrainierte Fluchtreaktion, die bloß darauf abzielten, von einer Mehrheit akzeptiert zu werden um nicht aufzufallen/sich nicht von Anderen abzuisolieren. All das war auf einmal nichts mehr wert – Und ich fühlte, dass mein eigener Wille eigentlich nirgendswo in den Dingen, die ich tat, vorhanden war! Himmel, selbst das Date hatte ich nicht selbst organisiert!
Ich hatte mich sozusagen schon damit abgefunden, dass mein echter Wille in der Realität keine Überlebenschance hat, da er nur dann Bestand haben würde, wenn bestehende, durch Gruppenzwang aufrechterhaltene Machtkonstrukte gestürzt werden würden – Und dazu hatte ich weder damals noch heute die Macht – Das liegt auch darin begründet, dass es eine solche ist, die ich nach wie vor nicht haben möchte.
Das Umdenken damals für mich war, dass dieser Individualwille zwar gedanklich existierte, er für mich aber überhaupt nicht greifbar war – Die Nichtakzeptanz meiner Wünsche durch Andere war also gar nicht das eigentliche Problem – sondern die Fehleinschätzung meinerseits, dass mein Willen, wenn er von niemandem unterstützt wird, nur in gedanklicher Form existieren sollte. Jedenfalls war das damals (2014) sozusagen der Startschuss für Duality. Im Prinzip ist das Ziel der Geschichte für mich deswegen auch, eine Freundin zu finden. Aber genau wie mit der Berühmtheit, sowie mit dem Ende der Geschichte geht es nicht wirklich darum, ein Ziel zu erreichen – Es geht darum, den Willen auf die Strecke zu bringen.





















